♦ Der Dunning-Kruger-Effekt ♦

Die Überschätzung der eigenen Fähigkeiten …

Heute geht es um Selbstüberschätzung und Inkompetenz und den Umstand, dass Menschen manchmal unfähig sind, ihre eigene Unfähigkeit wahrzunehmen und einzusehen:
Als Dunning-Kruger-Effekt wird eine kognitive Verzerrung bezeichnet, bei der inkompetente Menschen die Tendenz haben, das eigene Können zu überschätzen und die Kompetenz anderer zu unterschätzen bzw. anzuzweifeln.
Die beiden Psychologieprofessoren Justin Dunning und David Kruger haben dies in mehreren Studienreihen in den Neunziger Jahren untersucht und herausgefunden.

Was bedeutet das für den Umgang mit solchen Menschen?
Was bedeutet es für intelligente/kompetente Menschen?
Was kann man tun und können wir selbst ebenfalls betroffen sein?

Der „Dunning-Kruger“–Effekt (DKE): Übersicht und Folgerungen

Orientierungspunkte zum Verständnis des DKEs:

  • Inkompetente (bzw. schlicht dumme) Menschen neigen zur Selbstüberschätzung.
  • Sie können das allerdings nicht bemerken, da ihnen eben gerade die Kompetenz fehlt, dies überhaupt begreifen zu können – entsprechendes Feedback nützt also gar nichts, da sie es schlicht nicht verstehen können (!); Fehlleistungen werden allem und jedem, aber nicht sich selbst zugeschrieben: Für die Kompetenten kann es also recht anstrengend werden …
  • Kompetente Menschen neigen dagegen eher dazu, sich und ihre Fähigkeiten zu unterschätzen (!).
  • Durch Bildung bzw. Kompetenzsteigerung können inkompetente Leute lernen, sich selbst überhaupt
    realistisch einzuschätzen bzw. nüchtern mit anderen zu vergleichen.

Wer ist davon betroffen und können wir auch betroffen sein?

  • Leider immer mehr Menschen in einer zunehmend narzisstischen Welt … und sei es bzgl. bestimmter
    Teilthemen.
  • In den USA können wir derzeit beobachten, wie sich der Dunning-Kruger-Effekt auswirkt, wenn hochrangige und mächtige Politiker davon betroffen sind …
  • Wir alle können mal mehr, mal weniger davon betroffen sein: Das möge das einfache Beispiel einer Selbstüberschätzung illustrieren, dass nach Befragungen 90% (anstatt 50%) der Deutschen aussagen, dass sie besser oder sehr viel besser Auto fahren können als alle anderen.

Was tun?

  • Es kann einfach nie schaden, wenn wir immer wieder ein Zitat von Byron Katie als inneres Motto beherzigen: „Glaube nicht alles, was Du denkst“ – uns also in gesundem (!) Selbstzweifel zu üben, selbst wenn wir absolut überzeugt sind von etwas.
  • Wir können uns tatsächlich enorm viel Energie sparen, auf Menschen, die vom DKE betroffen sind, einzureden oder zu versuchen, sie zu überzeugen: Durch den beschriebenen blinden Fleck ist es ihnen unmöglich, die Dinge anders einzuschätzen.
  • Wenn sich so ein Mitarbeiter im Team befindet, gilt es konsequent zu sein: Eben entweder durch Kompetenzsteigerung die eigene, realistische Einschätzung überhaupt erst zu ermöglichen oder aber sich zu trennen – die Auswirkungen auf das Gesamtteam können ansonsten auf die Dauer verheerend sein.
  • Und manchmal mögen wir an der einen oder anderen Stelle uns selbst auch unterschätzen und zwar eben paradoxerweise gerade weil wir so kompetent sind auf einem bestimmten Gebiet; es kann also legitim und sinnvoll sein, das eigene Selbstbild auch positiv zu korrigieren.

Quellen und weiterführende Texte & Infos:

  • https://de.wikipedia.org/wiki/Dunning-Kruger-Effekt
  • Justin Kruger, David Dunning: Unskilled and unaware of it. How difficulties in recognizing one’s own incompetence lead to inflated selfassessments. In: Journal of Personality and Social Psychology. 77, Nr. 6, 1999
  • Byron Katie: Lieben was ist; wie vier Fragen Ihr Leben verändern können, Goldmann-Verlag 2002
  • Auch empfehlenswert: verschiedene, teilweise lustig gemachte Youtube-Clips zum Thema!

In diesem Sinne: über- oder unterschätzen Sie sich nicht …